So sehr wir Frauen auch unsere Mascaras, Blushes, Lidschatten und Concealer lieben – so genervt sind wir auch von der allabendlichen Routine des Abschminkens, wenn wir unser Gesicht wieder in seinen natürlichen, makeup-freien Zustand zurückversetzen. Und ja klar wissen wir, wie wichtig es ist, sich täglich gründlich abzuschminken, dass eine gründliche Gesichtsreinigung der erste wichtige Schritt in jeder gesunden Hautpflege Routine ist und dass das Nicht-Abschminken verheerende Folgen für unseren Teint haben kann. Das wissen wir alles. Und wir wären sicher vom ganzen Abschmink-Procedere, das im Badezimmer auf uns wartet, nicht so genervt, würde es nur nicht so viel Zeit kosten und Aufwand erfordern. Denn machen wir uns nichts vor: Um ein Make up, besonders mit Foundation und allem drum und dran, womöglich getoppt mit wasserfestem Mascara oder Eyeliner, vom Gesicht zu bekommen, und das restlos, sind eben in der Regel mehrere Schritte notwendig. Daher sind die derzeit so angesagten Mizellenwasser bei vielen Frauen so beliebt und lösen wahrscheinlich oft genug Seufzer der Erleichterung aus. Mizellenwasser werden als absolute Allrounder in Sachen Gesichtsreinigung gehandelt und besonders zum Abschminken werden sie seit einiger Zeit als eine Art heiliger Gral herumgereicht.

Der Hype um das Reinigungswasser

Obwohl es sich bei dem Reinigungswässerchen nicht im eigentlichen Sinne um eine Neuheit und Innovation handelt, ist es in aller Munde, seit auch die Drogerie verschiedene Ausführungen der Mizellen-Reiniger für jeden Geldbeutel zugänglich gemacht hat. Doch schon bevor die Wässerchen die Regale der hiesigen Drogerien eroberten, tauschte man sich darüber aus, wie man am besten das Mizellenwasser unter den Mizellenwassern abgreifen konnte, das bis letztes Jahr noch schwer in Deutschland erhältlich war. Models und Make up Artists schworen gleichermaßen auf das Mizellenwasser, das im Handumdrehen die Haut von Make up befreit. Doch was steckt hinter dem Beauty Hype?

Was sind eigentlich Mizellen?

In der Chemie versteht man unter eine Mizelle eine Ansammlung von Molekülen, die amphiphil sind. Und was bedeutet das nun wieder? Es ist gar nicht so kompliziert, wie es sich anhört. Wir haben ja in der Hautpflege zum Beispiel schon von lipophilen, also fettliebenden, und hydrophilen, also wasserliebenden, Substanzen gehört, oder? Moleküle, die amphiphil sind, so wie die in den Mizellen, verbinden diese beiden Eigenschaften: Sie haben einen lipophilen Kern, der fettlöslich ist, und einen Kopf, bzw. eine Hülle, die hydrophil ist, also wasserlöslich. Das bedeutet, dass das Mizellenwasser sowohl fett- als auch wasserlösliche Substanzen vom Gesicht waschen kann. Nicht nur dem Mizellenwasser liegt diese chemische Struktur zugrunde, man wird Mizellen auch in anderen Bereichen antreffen, doch das soll uns hier erstmal nicht weiter interessieren. Als Reinigungsmittel sind Mizellen schon länger bekannt, doch erst kürzlich haben sie ihren „Durchbruch“ in der Kosmetik geschafft.

Reicht ein Mizellenwasser allein zum Abschminken?

Wir wissen nun also, warum die Reinigungsfunktion vom Mizellenwasser so kraftvoll ist. Sowohl fett- als auch wasserlösliche Schminke kann von ihm gelöst werden. Doch brauche ich außer dem Mizellenwasser wirklich kein anderes Produkt zum Abschminken?

Dadurch, dass die Mizellenwasser so gründlich in ihrer Reinigungswirkung sind, ist im Grunde kein anderes Reinigungsprodukt notwendig. Wer schon mal ein Mizellenwasser zum Abschminken ausprobiert hat, weiß, dass selbst wasserfeste Mascara von den Mizellen in die Knie gezwungen werden kann. Ohne viel Druck und Rubbelei wird das Make up entfernt, so vermeidet man nicht nur Irritationen auf der Haut durch zu viel Reibereien, sondern schont auch die empfindlichen Wimpern. Einige Mizellenwasser enthalten sogar noch feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe wie etwa Glycerin, die zur Befeuchtung der Haut beitragen sollen.

Mein Tipp: Besonders widerstandsfähige Mascara, die nicht mit einem Wisch übers Auge verschwindet – denn machen wir uns nichts vor, Mizellenwasser ist gut, aber es ist keine Abschmink-Zaubertrank –, bekommt man vom Gesicht runter, indem man das in der Mizellenlösung getränkte Wattepad für einige Sekunden sanft aufs geschlossene Auge drückt. So wird die angetrocknete Mascara aufgeweicht und letztendlich gelöst.

Was unterscheidet ein Mizellenwasser vom normalen Gesichtwasser?

Im Gegensatz zum Gesichtswasser ist die Reinigung mit einem Mizellenwasser ohne viel Druck möglich, da es wie ein Magnet Make up entfernt. Ölbasierte Reinigungsprodukte können einen Film auf der Haut hinterlassen, während schäumende Reiniger mit ihren aggressiven Tensiden und basischer Formulierung die Hautbarriere zerstören können. Beide Nachteile hat man mit einem Mizellenwasser nicht. Besonders praktisch an einem Mizellenwasser ist natürlich neben dem Aspekt der Zeitersparnis auch, dass es für unterwegs prima geeignet ist.

Abwaschen oder nicht?

Das Mizellenwasser ist ja besonders für „faule Leute“ geeignet, die den Abschminkvorgang in einem Abwasch erledigt haben wollen. Es gibt Hersteller, die versichern, es sei nicht nötig, das Mizellenwasser nach der Gesichtsreinigung noch einmal abzuwaschen. Da es sich bei Mizellenwassern jedoch um tensidhaltige Lösungen handelt, es also Waschsubstanzen enthält, und seien diese noch so mild, wasche ich nach der Anwendung eines Mizellenwassers immer nochmal mein Gesicht mit Wasser, bevor ich mit meiner weiteren Hautpflege fortfahre. Denn Waschsubstanzen möchte ich nicht unbedingt auf der Haut behalten. Seife, die ebenfalls Tenside enthält, wasche ich ja nach dem Händewaschen z. B. auch restlos ab. Da ich manchmal nach der Reinigung ein chemisches Peeling mit BHA und AHA verwende, neutralisiere ich im Anschluss an das Mizellenwasser meine Haut mit einem leicht sauer formulierten Gesichtswasser, damit meine Peelingprodukte den richtigen pH-Wert vorfinden, um richtig wirken zu können. Egal, welche Reinigung ihr verwendet, das Abspülen mit Wasser oder einem milden Gesichtswasser ist nicht verkehrt, denn oftmals enthält die Gesichtsreinigung Inhaltsstoffe, die nicht zum Verbleib auf der Haut gedacht sind und bei langfristigem Hautkontakt Reizungen und Irritationen hervorrufen können. Hier gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, einige haben keine Probleme mit nicht abgewaschenem Mizellenwasser und überspringen diesen Schritt, ich hingehen gehe in diesem Punkt lieber auf Nummer sicher. Hier muss jeder seine eigene Präferenz herausfinden.

Ist Mizellenwasser für meinen Hauttyp geeignet?

Grundsätzlich profitieren besonders Typen mit sensibler Haut von der Reinigung mit Mizellenwasser. Da die Reinigung so schonend vonstattengeht, sind keine weiteren mechanischen Reize in der Reinigungsroutine vorhanden. Auch Tenside, die dafür bekannt sind, die Haut zu irritieren, sind hier in den Mizellen gebunden, sind also um einiges milder also konventionelle Tenside, wie sie z. B. in schäumenden Reinigungsprodukten oder Seife enthalten sind. Hauttypabhängig gibt es aber inzwischen verschiedene Mizellenwasser, auf die man einen Blick werfen kann. So bieten einige Hersteller inzwischen Mizellenwasser speziell für empfindliche Haut an. Worauf man generell, aber insbesondere mit empfindlicher Haut achten sollte, ist, dass das Mizellenwasser keine reizenden Inhaltsstoffe enthält. So machen viele empfindliche Hauttypen einen Bogen um Alkohol, weil es die Haut austrocknen und schädigen kann. Auch Duftstoffe können bei einigen Anwenderinnen Irritationen hervorrufen. Die meisten Hersteller verzichten deswegen vorbildlicherweise von Vornherein auf zusätzliche Beduftung ihrer Mizellenwasser. Die Gesichtsreinigung mit Mizellenwasser ist also sowohl gründlich als auch schonend. Schnell, praktisch und mild – was kann es Schöneres geben?